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Schutzengel

Sonnenschein, kann ich nicht warten

Muß raus, hinauf auf den Heimgarten

Das ist mein Hausberg mein zweites Heim

Meistens besteig ich ihn ganz allein

 

Diesmal hab ich Musik dabei

Kopfhörer iPod und MP3

Setze Fuß auf Fuß

Rhythmus Rhythmus

 

Dabei wirds mir leicht ums Herz

Schnaufe Bergauf ganz ohne Schmerz

Bergsteigen, Sonne, Musik - alles ist heiß

In den Augen brennt salziger Schweiß

 

Im Nu ist der Gipfel erklommen

So schnell bin ich noch nie nach oben gekommen

Bin euphorisch,  federleicht und tief zufrieden

So möchte ich sterben - in diesem Seelenfrieden

 

Bei diesem Gedanken muß ich lachen

Und laufe weiter ohne Pause zu machen

So schnell wird nicht dahingeschieden

Hab mich für den Herzogstand, dem Gipfel da drüben entschieden

 

Zu ihm führt über einen schmalen Grad

Ein noch schmälerer holpriger Pfad

Vor ihm ein Schild groß und breit

Nur für geübte mit Trittsicherheit!

 

Ich springe die Felsen hinunter

Gutgelaunt putzmunter

Über Stock und Stein - hoppala Wurzel

Ich stolpere und purzel

 

Vom Gipfel über mir tönt Angstgeschrei

Doch mir ist das einerlei

Denn irgendwie komme ich zum Stehn

Glück gehabt – sonst wärs um mich geschehn

 

Fast wär mein Wunsch wahrgeworden

In Glückseeligkeit gestorben

Kopfhörer aufgesetzt super Sound im Ohr

Bin gutgelaunt wie nie zuvor

 

Renne weiter

leicht und heiter

Wie ein Kind

Für Gefahren blind

 

 

Klettere bergauf bergab es flutscht

Hoppala – schon wieder ausgerutscht

Ich falle und lache

Freude ist die beste Todesursache

 

Und schon lande ich ziemlich harsch

Wie selbstverständlich auf dem Arsch

Ohne Angst und unerschrocken

Erklimm ich gleich den nächsten Brocken

 

Da kommt von Norden, also links, Nebel aus dem Tal gekrochen

Rechts im Süden lacht die Sonne: „Ey – das war nicht abgesprochen“

Die graue Suppe kriecht trotzdem bergauf

Ich denk mir nix und lauf und lauf

 

Eine kurze Steigung, schon bin ich oben

Da seh ich links im Nebel – einen Regenbogen!

Der Nebel - ganz weis

Und mittendrin ein bunter Kreis

 

Das wundert mich – aber nicht sehr

Laufe weiter – doch der bunte Kreis läuft neben mir her

Werde langsamer und schau genau

Der Kreis ist außen rot, innen gelb und blau

 

Jetzt mach ich endgültig halt

Denn mitten im bunten Kreis seh ich deutlich eine Gestalt

Gehe vor, gehe zurück

Die Gestalt im Kreis geht mit mir mit

 

Aha – kapiert – muss nicht lange raten

Die Lichtgestalt ist mein eigner Schatten

Erst hab ich das nicht kapiert

Aber jetzt! Jetzt wirst Du fotografiert

 

Schieße und schieße und noch zwanzig mal

Kost ja nix – Kamera ist digital

Während ich geh hab ich wie wild Fotografiert

Denn der ganzkörper Erleuchtete ist ständig neben mir hermarschiert

 

Streck den Arm in den Regenbogen und zeig mit dem Finger

Alles ist drauf, Digitalkameras sind geile Dinger

Mach zur Sicherheit Fotos eins nach dem Andern

Digitalkamera, Musik  – so kann man wandern

 

Daheim im Kimono

Kuk ich die Fotos im Heimkino

Seh die Gestalt im Regenbogenkranz

Doch irgend etwas stimmt nicht ganz

 

Warum steht wie bei Leonardo Da Vinci die Figur - Arme Beine ausgestreckt?

Frag ich mich total  verschreckt

Das da im Regenbogen kann unmöglich mein Schatten sein

Darauf schwör ich Stein und Bein

 

Hatte bei den Fotos die Arme vor dem Körper, nicht daneben

Doch der auf dem Foto tut nicht nur Arme, sondern auch die Beine heben

Und zwar seitlich

Komisch - das versteh ich nich...

 

Das haut mich aus den Sandaletten

Ich schlaf ein – Bergtouren sind die besten Schlaftabletten

Am nächsten Morgen schreck ich hoch mit Gedankenblitz

Ich weis was gestern war – jetzt mal ganz ernst und ohne Witz:

 

Das war mein Schutzengel!

Der kam wegen mir, dem viel zu schnellen Lausebengel!

Wär er nicht erschienen

Wär ich auf dem Berg geblieben!

 

War gestern von meinem Glück so fasziniert

Die Gefahr hab ich dabei nicht kapiert

Deshalb war der Engel so penetrant

Ohne ihn wär ich in den Tod gerannt

 

Aber: Seit wann lassen sich Engel fotografieren?

Nur: Wie sollte er mich Bengel denn sonst motivieren?

Zum Stehenbleiben, schauen und verweilen

Um nicht in den Tod zu eilen?

 

Die Fotos hab ich prüfen lassen

Wissenschaftler antworten hier gelassen:

„Normales Phänomen, Lichtspiegelung

Schön fotografiert, zur Abwechselung“

 

Dieses Phänomen ist seit 1780 wissenschaftlich bekannt

Und wird weltweit „Brockengespenst“ genannt

Doch für mich wars ein Schutzengel, so oder so

Denn ohne diesen wär ich weiter gerannt – sowieso...

 

Ohne diese Erscheinung wär ich nie zum Stehen gekommen

Beim nächsten Sturz wär ich sicher umgekommen

Danke Schutzengel – habe die Ehre!

Und, hoffentlich

Hoffentlich auch eine Lehre...


Brockengespenst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Brockengespenst (mit Glorie)

 

Das Brockengespenst ist ein optischer Effekt, der zuerst auf dem Brocken von Johann Esaias Silberschlag im Jahre 1780 beobachtet und beschrieben wurde:

Wenn der Schatten des Beobachters auf eine Nebel- oder Wolken-Schicht fällt, wird der Schatten nicht durch eine feste Fläche abgebildet, sondern durch jeden Wassertropfen des Dunstes einzeln. Dadurch kann das Gehirn den Schatten nicht stereoskopisch sehen und überschätzt die Größe deutlich. Durch Luftbewegungen bewegt sich der Schatten, selbst wenn der Beobachter still steht. Dieses scheinbar eigene Wesen kann zudem schweben, ohne sichtbaren Kontakt zum Boden zu haben. Die anderen physikalischen Bedingungen auf dem Berg, kühle und feuchte Luft, Stille, sowie die fehlende Orientierung durch mangelnden Weitblick und fehlende Nachbarberge, verstärken den subjektiven Eindruck der scheinbaren Existenz eines "Gespenstes".

Häufig tritt durch einen anderen optischen Effekt, Glorie genannt, zusätzlich ein farbiger Lichtkranz um den Schatten auf.

Auf dem Brocken sind häufig auch Halos zu beobachten, jedoch in genau entgegengesetzter Richtung mit Blick auf die Sonne. In der Literatur werden sie manchmal fälschlicherweise zusammen mit dem Brockengespenst erwähnt.

Der Effekt des Brockengespenstes ist auch auf anderen Bergen oder auch bei Nebel im Licht von Autoscheinwerfern zu beobachten. Der Brocken bietet mit über 300 Nebeltagen im Jahr eine überdurchschnittliche Chance dazu.

 

Und über den Gipfeln ist Kuh die schaut ganz in Ruh zu
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